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PV ohne Investition: Dach vermieten oder Contracting

  • Aktualisiert am 25.10.2026
  • Lesezeit rund 7 Minuten
  • Redaktion solar-guide.at

Wer sein Dach für Photovoltaik vermietet, bekommt in Österreich meist wenig: Ein Wiener Photovoltaik-Unternehmen nennt rund 50 Cent je m² und Jahr. Mehr bringt Contracting: Ein Investor baut eine Photovoltaikanlage, kurz PV-Anlage, auf Ihr Dach. Sie kaufen den Strom für rund 6 bis 12 Cent je kWh statt rund 19 bis 22 Cent aus dem Netz.

Am meisten bleibt über 20 Jahre beim Kauf. Dafür tragen Sie Investition und Risiko selbst.

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Büro- und Gewerbegebäude mit sichtbarer Photovoltaikanlage auf dem Flachdach

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Modelle ohne eigene Investition: Dachmiete, Contracting mit Preis je kWh und Anlagenpacht mit monatlicher Rate.
  • Dachmiete lohnt sich erst für große Dächer; Anbieter suchen Flächen ab 500 bis 800 m².
  • Contracting-Preise liegen laut einem Wiener Anbieter bei 12 Cent je kWh für 30 kWp und 6 Cent für Anlagen über 250 kWp.
  • Verträge laufen meist 20 bis 30 Jahre; regeln Sie Rückbau, Sicherheiten und Dachsanierung vorab.
  • In unserem Vergleich über 20 Jahre bringt der Kauf rund 474.000 Euro, Contracting rund 358.000 Euro und die Dachmiete rund 25.000 Euro.
  • Stand 25.10.2026
  • Quellen am Ende des Artikels

Welche drei Modelle gibt es?

Bei allen drei Modellen zahlt ein Dritter die Anlage. Sie unterscheiden sich darin, wem der Strom gehört und wer wem Geld zahlt:

ModellWer investiertWer nutzt den StromGeldflussÜbliche Laufzeit
DachmieteInvestorInvestor speist ein oder verkauftSie erhalten eine Miete20 bis 30 Jahre
Contracting je kWhContractorIhr Betrieb, Überschuss der ContractorSie zahlen je kWh Solarstrom10 bis 25 Jahre
AnlagenpachtContractorIhr Betrieb, der ganze StromSie zahlen eine feste Ratenach Vertrag

Die Laufzeiten stammen aus den Angaben österreichischer Anbieter: Ein Energieversorger pachtet Dächer für 20 bis 30 Jahre. Ein Contracting-Anbieter nennt 10 bis 25 Jahre. Ein anderer Energieversorger bietet kWh-Contracting über 20 Jahre und ein Raten-Contracting mit monatlicher Rate an. Bei einem dritten Anbieter geht die Anlage nach 15 Jahren in Ihren Besitz über.

Wer die Anlage selbst kaufen möchte, findet die Preise im Ratgeber Kosten einer PV-Anlage für Betriebe.

Was bringt die Vermietung der Dachfläche?

Wenig Geld, aber auch keinen Aufwand. Ein Wiener Photovoltaik-Unternehmen schreibt, in Österreich liege die Miete nach seiner Erfahrung bei rund 50 Cent je m² und Jahr (Stand 17.04.2026). Für ein Dach mit 2.500 m² sind das rund 1.250 Euro im Jahr.

Warum so wenig? Der Investor verdient vor allem an der Einspeisung. Die OeMAG, die Abwicklungsstelle für Ökostrom, zahlte 2026 dafür 5,7 bis 10,2 Cent je kWh. Eine kWh aus einer Dachanlage mit 550 kWp kostet laut EAG-Gutachten rund 9,8 Cent in der Erzeugung. Für die Miete bleibt da kaum Spielraum.

Was Anbieter verlangen:

  • Ein Projektentwickler sucht Dächer ab 800 m² im Osten Österreichs, Vertrag mindestens 20 Jahre, jährliche Pacht.
  • Ein Energieversorger sucht große Dächer von Supermärkten und Industriehallen; die Pacht hängt vom Projekt ab und ist wertgesichert.
  • Für Contracting nennt ein Anbieter eine nutzbare Dachfläche ab 500 m² und Anlagen mit 100 bis 1.000 kWp.

Die Dachmiete passt, wenn Ihr Betrieb tagsüber wenig Strom braucht oder Sie keinen Aufwand mit der Anlage wollen.

Was zahlen Sie beim Contracting?

Beim Contracting je kWh zahlen Sie nur den Solarstrom, den Sie verbrauchen. Der Contractor plant, finanziert, baut, versichert und wartet die Anlage. Ein Wiener Contracting-Anbieter nennt diese Richtwerte:

Größe der AnlagePreis je kWh SolarstromNetzstrom zum Vergleich
30 kWprund 12 Cent22,3 Cent
100 kWprund 10 Cent22,3 Cent
250 kWprund 8 Cent22,3 Cent
über 250 kWprund 6 Cent19,2 Cent

Der Netzstrom ist der Mittelwert für Betriebe im 1. Halbjahr 2026 ohne Umsatzsteuer (Eurostat): 22,3 Cent bei 20 bis 500 MWh Verbrauch, 19,2 Cent bei 500 bis 2.000 MWh. Jede kWh vom Dach spart also rund 10 bis 14 Cent.

Bei der Anlagenpacht zahlen Sie eine feste Rate und nutzen den ganzen Strom, auch den Überschuss. Die Anbieter, die wir geprüft haben, nennen keine Rate öffentlich. In unserem Vergleich unten rechnen wir sie wie einen Kredit über die Investition.

Was passiert am Ende des Vertrags?

Das muss der Vertrag regeln, bevor Sie unterschreiben. Üblich sind drei Wege: Der Betreiber baut die Anlage ab, Sie übernehmen sie, oder Sie verlängern den Vertrag.

Beim Contracting können Sie die Anlage oft vorzeitig übernehmen. Ein Anbieter nennt einen Kauf während der Laufzeit zu vorab festgelegten Restwerten, ein anderer bietet die Übernahme nach zehn Jahren an. Bei einem dritten geht die Anlage nach 15 Jahren erneuert in Ihren Besitz über.

Für den Rückbau empfiehlt die Landwirtschaftskammer Burgenland eine Bankgarantie, die mindestens die Kosten des Rückbaus deckt. Ist sie ein fixer Betrag, sollte sie wertgesichert sein. Sie schützt Sie, wenn der Betreiber in Konkurs geht.

Mieten, Contracting oder kaufen?

Das hängt vor allem davon ab, wie viel Strom Ihr Betrieb tagsüber braucht und ob Sie Kapital binden wollen:

DachmieteContractingAnlagenpachtKauf
Eigene Investitionkeinekeinekeinevolle Summe
Ertrag aus dem DachMietebilligerer Strombilligerer Strom und Überschussbilligerer Strom und Überschuss
Wartung und Risikobeim Investorbeim Contractormeist beim Contractorbei Ihnen
Bindung20 bis 30 Jahre10 bis 25 Jahrenach Vertragkeine
Förderungbeim Investorbeim Contractorbeim Contractorbei Ihnen

Derzeit ist kein weiterer EAG-Investitionscall für PV-Anlagen offen; der letzte Fördercall 2026 endete am 22. Oktober. Was 2027 kommt, lesen Sie im Ratgeber PV-Förderung für Betriebe.

Worauf achten Sie im Vertrag?

Prüfen Sie jeden Vertrag mit einem Rechtsanwalt, bevor Sie unterschreiben. Diese Punkte gehören hinein:

  1. Fläche, Lage der Anlage, Leitungswege und Zugang für Wartung.
  2. Entgelt oder Strompreis, Fälligkeit und Wertsicherung.
  3. Laufzeit, Kündigung und Verlängerung.
  4. Wem die Anlage gehört und wie das Nutzungsrecht gesichert ist, etwa mit einem Dienstbarkeitsvertrag.
  5. Was bei einer Dachsanierung geschieht: Wer baut ab und wieder auf, wer zahlt den Ertragsausfall?
  6. Haftung und Versicherung für Schäden am Gebäude und durch die Anlage.
  7. Rückbau am Ende samt Bankgarantie.
  8. Optionen zur Übernahme und ihr Preis.
  9. Wer höhere Steuern und Abgaben trägt, die durch die Anlage entstehen.

Die Landwirtschaftskammer Burgenland nennt für Pachtverträge über Freiflächen unter anderem Entgelt, Dienstbarkeit, Haftung, Rückbau mit Bankgarantie und Steuern; für Dächer gilt das genauso. Steuerliche Fragen, etwa wie die Miete zu versteuern ist, klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Rechenvergleich: 250 kWp über 20 Jahre

Wir vergleichen die vier Wege für einen Betrieb mit 2.500 m² Hallendach und rund 400.000 kWh Verbrauch im Jahr:

AnnahmeWert
Anlage250 kWp, Ertrag 250.000 kWh im Jahr (1.000 kWh je kWp)
Eigenverbrauch50 %, also 125.000 kWh
Strompreis22,3 Cent je kWh ohne Umsatzsteuer (Eurostat, 1. Halbjahr 2026)
Einspeisung7,6 Cent je kWh (Mittel der OeMAG-Marktpreise Jänner bis September 2026)
Kauf199.900 € (Formel EAG-Gutachten), Betrieb 2.900 € im Jahr, Wechselrichter 16.000 € im 12. Jahr
Contracting8 Cent je kWh (Richtwert eines Contracting-Anbieters für 250 kWp)
AnlagenpachtRate 19.150 € im Jahr samt Wartung (unsere Annahme: Annuität über 20 Jahre zu 7,19 %, dem Kapitalkostensatz des EAG-Gutachtens)
Dachmiete0,50 € je m² und Jahr (Angabe eines PV-Unternehmens)

Das Ergebnis über 20 Jahre, ohne Zinsen auf das eigene Geld und ohne Preisänderungen:

ModellVorteil je JahrVorteil in 20 Jahren
Kauf34.475 € (nach Betriebskosten)473.600 € (nach Investition und Wechselrichter)
Anlagenpacht18.225 €364.500 €
Contracting je kWh17.875 €357.500 €
Dachmiete1.250 €rund 25.000 €

So rechnen wir den Kauf: 125.000 kWh × 22,3 Cent = 27.875 Euro Ersparnis. Dazu kommen 9.500 Euro Einspeisung, abzüglich 2.900 Euro Betriebskosten. Das ergibt 34.475 Euro im Jahr. Über 20 Jahre bleiben nach 199.900 Euro Investition und 16.000 Euro Wechselrichterersatz 473.600 Euro. Es wird vor der Endsumme nicht gerundet.

Der Kauf bringt am meisten, bindet aber rund 200.000 Euro. Finanzieren Sie ihn zum Kapitalkostensatz des Gutachtens, landen Sie etwa beim Ergebnis der Anlagenpacht. Contracting bringt ohne eigenes Geld rund drei Viertel des Kaufergebnisses. Die Dachmiete lohnt sich nur, wenn Ihr Betrieb den Strom nicht selbst nutzen kann.

Angebote für Ihr Firmendach anfragen

solar-guide.at empfiehlt: Holen Sie für Ihr Dach ein Angebot zum Kauf ein, bevor Sie ein Contracting unterschreiben. Erst der Preis je kWp zeigt, ob der Strompreis im Contracting fair ist.

Wie Hallendächer geplant werden, steht im Ratgeber Photovoltaik für Industrie und Hallen. Überschuss können Sie auch an Nachbarbetriebe abgeben, wie der Ratgeber Energiegemeinschaft für Betriebe zeigt. Den Überblick gibt der Leitfaden Photovoltaik für Betriebe.

Vergleich von Kauf, Anlagenpacht, Contracting und Dachmiete über 20 Jahre.
Der Kauf berücksichtigt Investition und Wechselrichterersatz.

Häufige Fragen und Antworten

Wie viel bekomme ich, wenn ich mein Dach für Photovoltaik vermiete?

In Österreich wenig: Ein Wiener Photovoltaik-Unternehmen nennt rund 50 Cent je m² und Jahr. Für 2.500 m² sind das rund 1.250 Euro im Jahr. Die Höhe hängt von Größe, Statik und Netzanschluss ab.

Ab welcher Dachgröße interessiert sich ein Investor?

Meist ab einigen hundert Quadratmetern. Ein Anbieter nennt 800 m², ein anderer für Contracting 500 m² und Anlagen ab 100 kWp.

Was kostet Solarstrom im Contracting?

Laut Richtwerten eines Wiener Anbieters rund 12 Cent je kWh bei 30 kWp und rund 6 Cent bei Anlagen über 250 kWp. Lassen Sie sich die Preisanpassung über die Laufzeit genau zeigen.

Kann ich die Anlage später übernehmen?

Bei vielen Contracting-Verträgen ja, zu vorab festgelegten Restwerten oder am Ende der Laufzeit. Ein Anbieter bietet die Übernahme nach zehn Jahren an, bei einem anderen geht die Anlage nach 15 Jahren in Ihren Besitz über.

Was passiert, wenn das Dach saniert werden muss?

Das muss der Vertrag regeln: wer die Anlage ab- und wieder aufbaut, wer das zahlt und wer den Ertragsausfall trägt. Sanieren Sie ein altes Dach am besten vor der Montage.

Quellen

  • Angaben eines Wiener Photovoltaik-Unternehmens zur Dachflächenvermietung, Stand 17.04.2026
  • Nachrichtenmedium, Dachpacht durch einen Energieversorger, 03.02.2026
  • Angaben eines Projektentwicklers zur Pacht von Dachflächen, abgerufen 25.10.2026
  • Angaben von drei Contracting-Anbietern (Energieversorger und Dienstleister) zu Laufzeit, Preisen und Übernahme, abgerufen 25.10.2026
  • Landwirtschaftskammer Burgenland: Freiflächen-Photovoltaik, Vorsicht bei Vertragsgestaltung, abgerufen 25.10.2026
  • Österreichische Energieagentur im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus: 3. EAG-Gutachten, Empfehlungen für das Jahr 2026, Stand 12.12.2025 (Investitions- und Betriebskosten, Kapitalkostensatz, Stromgestehungskosten, Kostenanteil Wechselrichter)
  • Eurostat: Strompreise für Nichthaushaltskunden, Datensatz nrg_pc_205, 1. Halbjahr 2026, abgerufen 25.10.2026
  • OeMAG: Marktpreis 2026, abgerufen 25.10.2026
  • EAG-Abwicklungsstelle: Förderkalender, abgerufen 25.10.2026

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